Die Bundeswehr will Hunde als Corona-Schnüffler einsetzen. Ein weiteres Feld für die Vierbeiner, um den Menschen zur Hand zu gehen. Aber woher kommen ihre besonderen Fähigkeiten?

Die Nase ist das Wunderorgan der Hunde. (Bild: Getty Images)

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Die Optik ist für Hunde in der Wahrnehmung nicht entscheidend.

Das hat einen einfachen Grund: Sie sehen nicht besonders gut. Sie sind kurzsichtig, erreichen nur etwa 30 bis 40 Prozent der Sehschärfe eines gesunden Menschen und haben große Probleme dabei, nah von fern zu unterscheiden. Die Farben Grün, Orange und Rot entfallen komplett, andere Farben sehen sie grau getrübt.

Dafür haben Hunde aufgrund ihrer Augenposition ein größeres Sichtfeld, reagieren empfindlicher auf Bewegung und sehen bei Dämmerlicht besser. Für den Alltag ist das aber nicht ausreichend.

Wie steht es dann um die Ohren? Diese sind anders, nicht unbedingt besser oder schlechter als beim Menschen. Hunde hören mehr Frequenzen, daher die Hundepfeife, und sind auf eine andere Frequenz optimiert als der Mensch.

Deshalb werden manche Geräusche besser als beim Menschen wahrgenommen, andere eher schlechter. Großer Vorteil der Hunde: Die Beweglichkeit ihrer Ohren (bei den meisten Rassen) ermöglicht eine bessere Lokalisierung von Geräuschquellen, wenngleich der Mensch hier durch Nachdenken und Erschließen aufschließen kann.

Nase sticht Augen und Ohren aus

Augen und Ohren genügen dem Hund für eine grundlegende Orientierung. Entscheidend ist aber ein anderes Organ.

Haben Sie einem Hund schonmal ein Leckerli gegeben und es dabei versehentlich fallen gelassen? Der Vierbeiner wird schnuppern und das Leckerli, das wir deutlich mit dem Auge erkennen, eher mit der Nase als mit den Augen finden.

Die Nase als primäre Wahrnehmung? Für uns Menschen ist das schwer vorstellbar. Das zeigt sich in einem alten psychologischen Irrtum. Beim Spiegeltest werden Tiere vor einen Spiegel gesetzt, um herauszufinden, ob sie sich selbst erkennen. Hunde können das in der Regel nicht. Wissen sie deshalb nicht, wer sie sind? Nein. Erst viel später kamen Forscher auf die Idee, Hunden verschiedene Gerüchte vorzusetzen – und schon erkannten die Tiere ihren eigenen Geruch.

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So faszinierend nehmen Hunde Gerüche wahr

Gerüche nimmt der Hund durch kleine Partikel wahr, die er in seine Nase zieht – kein großer Unterschied zu uns. Die feuchte Hundenase hilft allerdings dabei, die Partikel aus der Luft zu sammeln und auch die Form ist durchaus effektiver als bei beim Menschen.

Für uns kaum vorstellbar ist, dass Hunde mit beiden Nasenlöchern getrennt voneinander riechen können. Das hilft bei der Orientierung und gibt Hinweise darüber, ob das Leckerli eher links oder rechts zu vermuten ist.

Ist die Luft erst in die Nase gelangt, wird sie dort getrennt. Die erste Menge geht in Richtung Lunge, die zweite Menge trifft auf die olfaktorischen Rezeptorzellen. Von diesen haben Hunde über 300 Millionen Stück, Menschen kommen nur auf etwa fünf Millionen.

An den Rezeptorzellen werden die Partikel wahrgenommen und Signale umgewandelt, die direkt das Gehirn erreichen. Sie übergehen dabei den Thalamus, der bei allen anderen Sinnen als “Türsteher” fungiert. Die Nase ist, das haben Hunde und Menschen gemeinsam, deshalb sehr instinktiv und viel direkter als das Sehen, Hören oder Fühlen.”Wegriechen” funktioniert deshalb auch nicht so gut wie Wegsehen.

Im Gehirn angekommen wird es spannend. Wir müssen uns das Gehirn, sehr vereinfacht, wie einen großen Lagerraum oder eine Bibliothek vorstellen. Menschen nehmen dort die “Fleisch-Box” aus dem Regal und finden vor allem Bilder vor. Hunde haben in ihrer “Box” ganz viele Geruchsproben und eher weniger Bilder.

Diese Geruchsprofile werden mit dem verglichen, was der Hund gerade riecht und schon weiß er: Ah, da liegt ein Leckerli auf dem Weg, das kenne ich und kann es essen.

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Hunde riechen auch durch den Rachen

Noch nicht verrückt genug? Da ist noch mehr: Hunde atmen nicht über die Nasenlöcher aus, weil das die Aufnahme blockieren würde. Sie atmen an Schlitzen seitlich an der Nase aus und wirbeln damit die Luft auf. Das führt dazu, dass noch mehr Partikel in die Nase gelangen und den Geruch verstärken.

Dazu nehmen Hunde auch über das sogenannte Jacobson-Organ Gerüche und mehr Informationen wahr. Dieses liegt im Rachen des Hundes und soll besonders auf ausgeschüttete Hormone anschlagen – kein Wunder, dass Hunde wissen, wenn wir traurig oder wütend sind.

Wenn Menschen krank sind, etwa mit dem Coronavirus, verändert sich ihr Geruch und ihre Hormonausschüttung. Hunde nehmen diese Veränderung wahr und können deshalb, bei etwas Training, anschlagen oder entsprechend reagieren. Deshalb können Hunde auch Schwangerschaften oder Krebs erkennen, bevor es die betroffenen Menschen selbst wissen.

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Training für das Coronavirus

Aber wie kann das hilfreich umgesetzt und trainiert werden? Das Geheimnis ist, wie immer in der Erziehung von Hunden, eine Konditionierung. Den Hunden wird immer wieder eine Geruchsprobe eines gesunden Menschen und eines Menschen mit dem Coronavirus angeboten.

Dazu soll er eine Aktion ausführen. Bald ist für das Tier klar: Der Corona-Geruch verlangt z.B. ein Bellen. Diese Verknüpfung kann dann belohnt werden. Anschließend muss der Reiz generalisiert werden, d.h. es werden noch viel mehr Gerüche angeboten, bis der Hund erkennt, was die Gemeinsamkeit, nämlich der Geruch einer Corona-Infektion, ist. Es wird ein Eintrag in der Bibliothek der Dinge im Gehirn erstellt.

Dieses Verfahren ist für den Hund eine große Anstrengung und erfordert einige Zeit, einen erfahrenen Trainer und einen aufmerksamen Schüler. Nicht jeder Hund wird dieses Kunststück vollbringen können. Wenn es aber klappt, kann er theoretisch viele Leben retten.

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