Beim Kampf gegen die Pandemie trifft die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern den richtigen Ton. Damit könnte sie es schaffen, das Virus ganz einzudämmen.

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern © Getty Images

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Jeden Mittag um eins sitzt Rebecca Thompson-Looij in Christchurch vor dem Fernseher, um ihre Lieblingssendung zu sehen. Per Snapchat tauscht sich die 18-Jährige mit Freunden über den Helden auf dem Bildschirm aus. Der ist kein Serienstar, sondern ein bebrillter Bürokrat: Ashley Bloomfield, Direktor des öffentlichen Gesundheitswesens von Neuseeland.

Neuseeland liegt im weltweiten Kampf gegen das Coronavirus mit einem Reproduktionsfaktor von 0,5 weit vorne. Ab nächster Woche wird nach einem Monat vorsichtig der Lockdown entschärft. Der ist auch dann zwar immer noch strenger als in Deutschland, doch so wirkt er nicht. 

Bloomfields Auftritte, oft zusammen mit Premierministerin Jacinda Ardern, gehören zu der täglich übertragenen Pressekonferenz der Regierung in Wellington. Wenn die neuesten Zahlen und Maßnahmen mit einem Gebärdendolmetscher präsentiert werden, ist das für Millionen Menschen ein Ritual, das Ruhe und Transparenz ausstrahlt. “Viele Leute verunsichern Nachrichten, aber mich tröstet diese eine Stunde”, sagt Ökoaktivistin Rebecca Thompson-Looij, die sich selbst als “Ash head” – Fan von Ashley Bloomfield – bezeichnet. “Ich vertraue ihm und Jacinda total. Sie sind cool und haben Mitgefühl.” Damit ist sie nicht allein. Es gibt Fanclubs, Songs und einen Rap für Arderns Frontmann. Eine TV-Moderatorin dichtete gar eine patriotische Liebeshymne mit der Zeile: “Er ist der DJ der Gesundheit, so nett und schlau.”

Keine Experimente wie in Schweden

Nett und schlau beschreibt auch die Strategie, mit der der Pazifikstaat bisher besser gefahren ist als die Länder, in denen sich jetzt Unmut gegen die verhängten Maßnahmen regt. Neuseelands geografisch isolierte Lage – nur per Boot oder Flugzeug erreichbar – und das Timing – ein zweiwöchiges Zeitfenster als Epidemienachzügler – halfen, um von China zu lernen und keine Experimente wie in Schweden zu wagen.

“Wir müssen hart und früh handeln”, verkündete Ardern Mitte März, als sie für jeden Einreisenden die Quarantänepflicht verhängte. Neben Israel und einigen kleinen Südseestaaten errichtete die 39-Jährige die schärfsten Grenzen der Corona-Welt. Ab dem 19. März durften nur noch Kiwis auf ihre Inseln zurückkehren – ökonomisch ein radikaler Schritt, da die rund vier Millionen Touristen pro Jahr den größten Wirtschaftszweig des Landes ausmachen. “Wir haben bisher 102 Fälle,” sagte Ardern zwei Tage später, als sie den Lockdown verkündete, “aber so viele hatte einst auch Italien.” Das saß.

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